Selbstmord

Berlin. Depressionen nehmen nach Angaben von Psychiatern in Deutschland zu. Inzwischen befänden sich zu jeder Zeit rund sechs Prozent der Erwachsenen in einer depressiven Phase, teilte die Universität Frankfurt am Main am Mittwoch in Berlin auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) mit.

Hausärzte werde aber zu selten die Zeichen einer Depression erkennen. Meist verschwinde die Melancholie hinter einer Fülle körperlicher Krankheiten wie Schlaflosigkeit, Schmerzen und Druck auf der Brust. 60 Prozent der jährlich mehr als 11000 Selbstmorde in Deutschland beruhten auf der Hoffnungslosigkeit einer Depression. Allerdings könne bei psychiatrischen Erkrankungen nur schwer zwischen einer echten Erhöhung des Vorkommens und einer lediglich öfter gestellten Diagnose unterschieden werden. Das «postraumatische Belastungssyndrom» oder die «Sozialphobie» gehöre eher in die zweite Kategorie. Unübersichtlich sei die Lage beim «Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom» (ADHS, Zappelphilippsyndrom), das vor allem bei Kindern beobachtet wird. Mit dem Älterwerden solcher hyperaktiven Kinder werde das Syndrom nun öfter auch bei Erwachsenen diagnostiziert. Auf dem von 1600 Ärzten und Psychologen besuchten Kongress wurde erneut vor Haschisch- und Ecstasykonsum gewarnt. «Haschisch verstärkt die Neigung zur Schizophrenie», sagte der DGPPN-Vizepräsident. Versuche mit Affen an der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore (USA) hätten gezeigt, dass Ecstasy das Gedächtnis und die richtige Einschätzung von Situationen beeinträchtige.

Trier. Wie verzweifelt muss dieser Vater gewesen sein? Weil seine Frau (29) sich von ihm trennen wollte, hatte der Lkw-Fahrer Klaus-Peter J. (35) aus Schönecken in der Eifel einen grausamen Entschluss gefasst. Zusammen mit seinen Söhnen Daniel (5) und Thomas (2) fuhr er auf die Wilsecker Autobahnbrücke (A 60) im Kylltal. Erst warf er die Kinder in die Tiefe. Dann sprang der Vater hinterher. Er und der Fünfjährige waren sofort tot. Daniel überstand wie durch ein Wunder den 80-Meter-Sturz. Er liegt mit schwersten Verletzungen im Krankenhaus. Die Ärzte kämpften gestern noch um sein Leben. "Es war eine Spontanhandlung, es gibt weder einen Abschiedsbrief noch Anzeichen für einen Ehestreit kurz vor der Tat", so der Trierer Oberstaatsanwalt Reiner Paulik. Der Familienvater sei vorher nie auffällig gewesen. Nachbarn berichten, dass er ein sehr konsequenter Mensch gewesen sei. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen erweiterten Suizids. Die Mutter erlitt einen Schock.

27.11.02

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